BORELLIOSE - eine gefährliche Erkrankung bei Hunden!
Die Borelliose der Hunde ist eine bakterielle Infektionskrankheit.

Als Erreger kommt das Bakterium Borellia burgdorferi und ein paar nahe verwandte Stämme in Frage. Es handelt sich um eine langsam verlaufende Erkrankung, die anfangs sehr unspezifische Symptome zeigt. Es ist übrigens der selbe Erreger, der beim Menschen die sogenannte Limbe-Disease auslöst.

Der Infektionsweg:
Der Infektionserreger wird nahezu ausschließlich mit Zecken übertragen, in deren Magen bzw. Speicheldrüsen er unbeschadet über lange Zeit leben kann.
Zecken - meistens handelt es sich um den gemeinen Holzbock Ixodes rhizinus - brauchen mehrere Generationen zu ihrer vollständigen Entwicklung. Aus den Zeckeneiern entstehen Larven mit drei Beinpaaren, daraus Nymphen mit vier Beinpaaren und aus denen wiederum entwickeln sich die erwachsenen Zecken.
Um diese Entwicklungsstufen durchlaufen zu können, müssen die Zecken Blut von Warmblütern saugen. Larven und Nymphen saugen vornehmlich an Mäusen, Igeln, Ratten und anderen Kleinsäugern.
In dieser Phase infizieren sie sich mit Borellien.

Die erwachsenen Zecken parasitieren vornehmlich an großen Säugern: Hirsche, Rehe, Rinder und natürlich an Menschen und Hunden.
Es saugen nämlich nur weibliche erwachsene Zecken, die das Blutdepot zur Entwicklung ihrer Eier benötigen.
Die kleinen männlichen Zecken sitzen manchmal am Rücken ihrer Weibchen und warten dort auf die Begattungsbereitschaft.
Während des Blutsaugeaktes können nun Borellien aus dem Magen bzw. den Speicheldrüsen in die Haut des Hundes eingeimpft werden.
Der Krankheitsverlauf:
Nach der Übertragung der Borellien beim Saugakt kommt es vorerst zu einer lokalen Infektion mit einer Keimvermehrung in unmittelbarer Nähe. Dieses Stadium dauert einige Tage. Es verursacht überhaupt keine Symptome!!! Nach dieser Manifestationsphase kommt es zu einer Keimauswanderung in die Lymphe, mit der der Erreger praktisch in alle Körperteile gebracht wird. Allerdings gibt es Lieblingsmanifestationen: Diese sind vor allem große Gelenke, Nervenbahnen und Gehirn.

Dem entsprechend sind folgende Symptome zu erwarten:

• Gelenkentzündung (Arthritis)

• Nervenentzündung (Neuritis)

• Gehirnentzündung (Enzephalitis)
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Am häufigsten sind Gelenkentzündungen zu sehen.
Sie treten sehr spontan auf und sind sehr heftig. Meistens trifft es große Gelenke wie Sprunggenlenk, Carpalgelenk, Ellbogen- oder Schultergelenk. Die Gelenke werden sehr heiß und prall gefüllt. Die Gelenkschmerzen sind meist stark. Außerdem wird auch bei chronischen Arthrosen die Borelliose als Auslöser diskutiert, sie ist aber nicht bewiesen.
Bei der Gehirn- oder Nervenentzündung treten vorallem Bewußtseinsstörungen und Bewegungsstörungen auf. Bei der akuten Borelliose tritt meist Fieber auf.
 
  Erregernachweis:
Der direkte Erregernachweis ist sehr schwierig. Ein Infektionsverdacht ergibt sich aus den beschriebenen Symptomen und einem Zeckenbefall in den vergangen 2 bis 4 Wochen.
Die Erregeranzucht in einem Speziallabor ist aus Gelenkpunktaten möglich, jedoch nicht sicher. Diese Erregeranzucht dauert ca 2 Wochen. Sie dient lediglich als Infektionsbeweis, eine allfällige Therapie muß jedoch schon vor dem Ergebnis einsetzen.
In seltenen Fällen ist ein direkter Bakteriennachweis bei Punktatuntersuchung im Dunkelfeldmikroskop möglich.
Die Therapie:
Im Zentrum der Therapie steht die Antibiose. Hiefür stehen die Antibiotika der synthet. Penicilline, Gyrasehemmer und Aminoglykosidantibiotika.
Die richtige Wahl trifft der Tierarzt. Die Behandlung muß drei Wochen lange durchgeführt werden, da der Erreger eine sehr langsame Vermehrung hat und nur während der Reduplikation von Antibiotika angreifbar ist.
Als Begleitbehandlung muß eine Entzündungslinderung und Abschwellung angestrebt werden.

Die Vorbeugung:
Seit einiger Zeit gibt es einen gut brauchbaren Impfstoff unter dem Namen MERILYM. Die Impfung ist unproblematisch. Zur Grundimmunisierung sind zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen nötig. Auffrischungsimpfungen werden jährlich empfohlen.


Dr. Balthasar Quehenberger
Fachtierarzt f. Kleintiere