Anmerkungen zum stubenunreinem Verhalten der Katze
Wildkatzen, also die Ahnen unserer Katzen, verscharren Kot und Harn in der Erde. Dieses Verhalten ist der Hauskatze noch genauso eigen wie ihren Vorfahren.
Da in der Wohnung ausser in der Katzenkiste keine Möglichkeit zum Verscharren besteht, nehmen die meisten Katzen das `Kisterl` aus diesem Grunde ohne Erziehungsmassnahmen von allein an.

Jungtiere müssen sich natürlich erst an die neuen Gegebenheiten gewöhnen. Wenn die Katzen sich anfangs `danebenbenehmen`, sollte man fördernd eingreifen und sie öfter in das `Kisterl` setzen. Am schnellsten begreifen sie, wenn sie ìn flagranti` ertappt und dabei in das `Kisterl` gesetzt werden.
Keinesfalls sollte man die Katze mit der Nase in den Kot stupsen. Die Katze versteht den Zusammenhang nicht und wird dadurch nur verängstigt. Ausserdem verstärken sie eher das unerwünschte Verhalten und können zusätzlich Aversionen gegen den Strafenden hervorrufen.

Bei den meisten stubenunreinen Katzen liegt eine Verhaltensstörung vor. Als URSACHE kommen verschiedene Faktoren in Frage:

• Vorübergehender oder dauernder Verlust der Bezugsperson, z.B. Besitzerwechsel, Reisen.
• Eintreten neuer Personen, Artgenossen oder andere Tiere in den bestehenden Verhältnissen.
• Umgebungsänderungen. (Wohnungswechsel)
• Verbringen ins Tierheim.
• Umstellen von Möbeln.
• Anwesenheit von Handwerkern, Maschinenlärm, Staubsaugerlärm.
• Einschränkung bisher gewohnter Tätigkeiten, z.B. Verhinderung des Freilaufens, Verschliessung bisher zugänglicher Räume, Verhinderung des Im-Bett-Schlafens.
• Zeitliche Änderungen im Fütterungs- oder überhaupt im Tagesablauf.
• Veränderter Standort des `Kisterls`. Auch eine geringfügige Platzverschiebung kann ausschlaggebend sein.
• Wechsel des Einstreumaterials.
• Ungenügende Reinigung des `Kisterls`. (Sollte mindestens einmal täglich geschehen)
Ein Kothäufchen oder Harnlackerl wird oft vor einer Tür oder ein Fenster gesetzt als Zeichen, dass die Katze dort hinausgelangen will.

In manchen Fällen heißt die Deponierung von Kot oder Harn vor dem Wohn- oder Schlafraum einer bestimmten Person offensichtlich, daß diese verschwinden soll .Ist die Ursache erkannt, und lässt sie sich abstellen, so ist die Verhaltensstörung in der Regel auch beseitigt.

Wenn sich die Ursache nicht genau erruieren lässt, ist das Aufstellen von gefüllten Futterschüsseln auf die unerwünschten Ausscheidungsorte empfehlenswert.

Die Futterschüsseln sollen auch im leeren Zustand dort verbleiben, da die Tiere durch sie stark gehemmt werden, an diesen Stellen Harn und Kot zu deponieren.

Auch die Anwendung von stark riechenden Flüssigkeiten, wie Zitronellöl an den unerwünschten Ausscheidungsorten zeigt Erfolg.

Hin und wieder gibt es Katzen die nur teilweise unsauber sind, d.h. sie benützen z.B. zum Harnabsatz das Kisterl, während sie Kot in Waschbecken, Badewanne oder Duschkabine absetzen. In diesem Fall hilft es, wenn man eine zeitlang Wasser in den entsprechenden Örtlichkeiten stehen lässt.

Die vorher angeführten Massnahmen sind fast immer wirkungsvoll, allerdings oft insofern beschränkt, als viele Katzen an andere Plätze ausweichen.
Immerhin lässt sich auf diese Weise ein `sehr unerwünschter` Ausscheidungsplatz an einen `weniger unerwünschten` Ort verschieben.

Noch einmal sei darauf hingewiesen, daß es Tiere gibt, die das Kisterl schon nach einmaliger Verunreinigung der Einstreu nicht mehr benützen. Daher sollte man immer auf einer ausreichenden Reinigung achten.

Zur Reinigung empfehlen sich moderne Reinigungsmittel, welche auf dem enzymatischen Wirkungsprinzip beruhen. Durch diesen werden nicht nur die Verunreinigungen entfernt, sondern auch der Geruch biologisch abgebaut.

Das HARNSPRITZEN oder MARKIEREN an Gegenstände und Wände durch unkastrierteKater und Katzen (auch weibliche Tiere spritzen häufig während der Rolligkeit) hat NICHTS mit Unsauberkeit zu tun, sondern ist ein Markierungsverhalten.

Als einfachste Lösung dieses Problems wäre die Kastration des jeweiligen Tieres zu erwähnen. Bei bereits kastierten Tieren wäre eine hormonelle Behandlung überlegenswert.


Dr. Wolfgang Schramel