Vogelgrippe - Wissensstand Mitte März 2006

Allgemeines:

Grippeviren sind rund um den Globus verbreitet. Es gibt eine Unzahl an verschiedenen Stämmen, die wieder mehr oder weniger spezifisch infektiös für eine Tierart sind. So sind unter unseren Haustieren Grippeinfektionen bei Schweinen, Pferden und Hühnern bekannt, die allerdings bisher keine Bedeutung für den Menschen haben.
Wegen der hohen genetischen Instabilität der Grippeviren gibt es immer wieder neue Stämme, die dann auch eine gesteigerte oder verminderte Infektiosität aufweisen. Interessanterweise entwickeln sich solche Mutationen bevorzugt im südostasiatischen Raum.

Vogelgrippe:

Der derzeit grassierende Stamm hat die Bezeichnung H5N1
Auch er hat sich in Südostasien entwickelt. Seine Hauptwirte sind vornämlich am Wasser lebende Vögel verschiedener Arten mit einer gewissen Tendenz auch zu Hausgeflügelarten. Die Ausscheidung des Virus erfolgt über Sekrete der Mund- und Nasenhöhle und über Kot. Während infektiöser Kot am Land punktuell liegen bleibt, kommt es am Wasser zu einer flächenhaften Verteilung der Viruspartikel was auch das Infektionsrisiko der dort lebenden Tiere enorm erhöht.

Vogelgrippeinfektion kann weiters durch intensiven (oralen) Kontakt und durch Verzehr infizierten Fleisches im Rohzustand erfolgen. Davon betroffen sind besonders Raubvögel, Marder und Katzen.

Vogelgrippe bei der Katze:

Bisher sind nur wenige Fälle von infizierten Katzen bekannt geworden. Alle derartigen Infektionen sind auf oralen Kontakt durch Jagd oder Verzehr infizierter Vögel zurückzuführen. Eine horizontale Infektion von Katze zu Katze ist bisher nur bei sehr engem Kontakt (Käfighaltung im Tierheim)nachgewiesen worden. Wir wissen bisher nicht, ob sich Katzeninfektionen in nächster Zukunft mehren werden oder nicht.

Symptome bei der Katze:

Das Vogelgrippevirus führt innerhalb von ca. drei Tagen nach der Virusaufnahme zu den ersten Krankheitszeichen. Diese sind Abgeschlagenheit, Fieber, Bindehautentzündung, Nickhautvorfall, Speicheln und deutlich erschwerte Atmung. Die Lunge scheint das Infektionszielorgan zu sein. Lungenentzündung ist es schließlich auch, die zum Tod der Katze führen kann (aber nicht muß!).
Katzen selbst scheiden nur sehr wenig Virus aus. Diese erfolgt über Speichel und Kot. Durchfall tritt nicht auf.
Die Infektion von Menschen über Katzenkontakt ist aufgrund der geringen Virusmenge unwahrscheinlich. Bisher jedenfalls wurde sie nicht beobachtet.

Was tun bei Verdacht auf Vogelgrippeinfektion?

An unserer Klinik liegt geeignetes Probenentnahmematerial auf. Die Diagnose wird anhand eines Mund- und Rachentupfers gestellt. Die Untersuchungs- und Laborkosten belaufen sich auf € 105,--.
Falls sich der Infektionsverdacht erhärtet, werden Sie von uns detailliert über weitere Verhaltensmaßnahmen aufgeklärt.

Einstweilen besteht kein Grund Katzen davon abzuhalten in den Garten zu gehen. Ausgenommen sind jene Schutzzonen rund um einen Grippefundort. Dieser wird in den Medien veröffentlicht und gilt für einige Wochen. Falls dort keine weiteren Funde gemacht werden, wird die Schutzzone wieder aufgehoben.
Hausgeflügel muß bis auf  weiteres in Stallungen gehalten werden. Dies dient dem Schutz des Geflügels selbst und der Ernährungssicherheit des Menschen.

Was ist mit dem Hund ?

Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind keine Infektionen an Hunden beobachtet worden. Selbst dann nicht, wenn Hunde an toten Vögeln geschnuppert hatten. Daher gibt es auch keine Einschränkungen für unsere Hunde!

Fundmeldung

Wenn Sie einen toten Wasservogel finden, bitte nicht angreifen oder einsammeln, sondern den Fund bei Polizei, Amtstierarzt oder Feuerwehr melden. Das Gleiche gilt für tote Raubvögel.

Ich hoffe sehr, mit diesem Artikel einige Ihrer offenen Fragen beantwortet zu haben.

Dr. Quehenberger
13.03.2006

Quellenangabe:
Friedrich-Löffler-Insitut
Ages Mödling
Tierärztekammer Österreich