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| BSE |
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BSE =
bovine spongiöse Enzephalitis = schwammige Gehirnerweichung
der Rinder
oder: was ein Tierarzt weiß über diese dubiöse
Krankheit
Was ist ein Prion?
Die BSE ist eine Prionenkrankheit.
Prionen sind Eiweißkörper. Sie kommen in allen normal
funktionierenden Nervenzellen vor und erfüllen dort bestimmte
Aufgaben im Stoffwechsel der Zellen. Sie unterliegen einem geregelten
Auf- und Abbau, sodaß in der Nervenzelle immer genügend
Prionenproteine vorhanden sind.
Der Unterschied zum BSE-Prion liegt im räumlichen Aufbau
des Moleküls. Das BSE-Prion ist anders konfiguriert als
das normale, physiologische Prion.
Dies hat zur Folge, daß der Körper dieses abartige
Prion nicht nach einiger Zeit wieder abbauen kann, sodaß
sich solche Prionen in der Nervenzelle anhäufen. Zugleich
ist das BSE-Prion in der Lage, das physiologische Prion nach
seinem Bauplan umzukonfigurieren, wodurch sich immer mehr abartige
Prionen in einer Nervenzelle ansammeln können.
Dieser Vorgang führt schließlich zum Tod einer Nervenzelle
- und wenn das sehr viele Zellen sind - zur schwammigen Gehirnerweichung.
BSE ist jedenfalls kein Erreger, kein Virus, Bakterium oder
sonst etwas. Es kann sich auch nicht selbst vermehren, da es
kein Lebewesen ist. |
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Für wen ist BSE
ansteckend?
Ich möchte hier nicht auf experimentelle Infektionen eingehen,
die oft unter total realitätsfremden Kriterien ablaufen.
Unter natürlichen Verhältnissen wurden bisher fast nur Rinder
infiziert. Nach meinem Wissen wurde bisher außerhalb der Spezies
Rind nur ein Kamel und eine Gemse und 42 Personen infiziert.
Ausgiebiege Infektionsversuche mittels Fütterung ist bei Schweinen
und bei Geflügel bisher nicht gelungen, sodaß man diese
beiden Tierarten jedenfalls als BSE- resistent ansehen kann.
Übertragungsmechanismus
Die Art der Prionenübertragung ist nachwievor wissenschaftlich
nicht genau beantwortbar. ies liegt vor allem an der Tatsache, daß
die erfolgte Infektion erst nach längerer Zeit labormäßig
erfaßt werden kann.
Aber die bisherige BSE-Geschichte (immerhin über 15 Jahre) läßt
den dringende Verdacht zu, daß BSE über die Fütterung
übertragen wird - dabei wieder ganz besonders im frühesten
Jugendalter der Tiere.
Wir wissen, daß Kälber und auch andere Jungtiere in den
ersten Lebenstagen noch nicht vollständig verdauen können.
Dadurch können auch größere Eiweißmoleküle
durch den Darm in die Blutbahn aufgenommen werden. Dieser Vorgang
ist zum Beispiel wichtig für die Aufnahme von Antikörpern
aus der Kolostralmilch (Muttermilch).
Ebenso können auf diese Weise Prionen aufgenommen werden. Die
gleiche Möglichkeit besteht bei einer Übertragung von einer
infizierten Kuh auf das ungeborene Kalb via Plazenta. Bei älteren
Kälbern, die bereits Wiederkäuer sind, dürfte es kaum
noch zu einer Infektion kommen.
Tierkörpermehl wird aus verstorbenen Tieren und Schlachtabfällen
durch Erhitzen und Vermahlen gewonnen. Es diente lange Zeit als Eiweiß-
und Mineralstoffaufbesserung in verschiedenen Futtermitteln, da unsere
Grundfuttermittel allesamt zu wenig Eiweiß enthalten.
Die Zumischrate betrug in Österreich maximal 2%. Dagegen wäre
ansich nichts einzuwenden, da Rinder, Schweine und auch Pferde tierisches
Eiweiß in so geringer Menge absolut problemlos verdauen können.
Das Argument, man könne doch Pflanzenfressern kein `Fleisch´verfüttern,
ist daher absoluter Unsinn. Der entscheidende Fehler lag an der Tatsache,
daß die Engländer ihr Tierkörpermehl aus Kostengründen
zu wenig erhitzten, sodaß BSE-Prionen nicht abgetötet wurden!
In Österreich wurde Tierkörpermehr mehr erhitzt, weshalb
bei uns keine Gefahr der Prionenübertragung mittels Tierkörpermehl
bestand. |
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Wie wirkt sich
BSE aus?
Symptome:
BSE hat eine lange Inkubationszeit.
Sie liegt etwa zwischen zwei und zehn Jahren. Der Beginn der
Erkrankung ist sehr unspezifisch, allerdings zeigen sich dann
bald wesentlich deutlichere Symptome, nämlich: steigende
Nervosität, Schreckhaftigkeit, schlechte Koordination der
Beine, wodurch das Laufen sehr unsicher bis staksig erscheint,
Freßstörungen, Abmagerung, vermindertes Schmerzempfinden
und schließlich Unfähigkeit aufzustehen.
Alle diese Symptome werden durch den Mangel an leitfähigen
Nervenzellen verursacht. |
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Risiko für
den Menschen:
Das ist wohl die sensibelste Frage im Zusammenhang mit BSE.
Bis heute ist niemand im Stande, diese Frage ausreichend zu
beantworten.
Es gibt aber immerhin schon Fakten, die sich aus der langen
Beobachtungszeit von über 15 Jahren ergeben. In Großbritannien
sind in dieser Zeit angeblich 46 Menschen erkrankt.
Interessanterweise ist das Risiko bei besonders exponierten
Menschen, wie Fleischhauern, Bauern, Tierärzten nicht höher
als in der durchschnittlichen Bevölkerung.
Die Inkubationszeit dieser neuen Form der Creutzfeldt-Jakobkrankheit
beim Menschen ist wesentlich kürzer als bei der ursprünglichen
Form. Man kann noch nicht abschätzen, wieviele Menschen
noch erkranken werden.
Labortests haben jedenfalls eine verblüffende Ähnlichkeit
zwischen dem BSE-Prion und der neuen Form der Creutzfeldt-Jakobkrankheit
gefunden. Soweit mir bekannt ist, sind in anderen europäischen
Ländern noch keine Übertragungen auf den Menschen
festgestellt worden.
Lange wurden Zusammenhänge zwischen
BSE, Creutzfeldt-Jakobkrankeit und Scrapie diskutiert.
Alle drei sind Prionenkrankheiten.
Scrapie kommt bei Schafen vor und ist seit langem bekannt, ohne
daß jemals eine Übertragung auf Menschen festgestellt
wurde. Im Infektionsexperiment erzeugt Scrapie auch andere Symptome
als BSE.
Hingegen sind die Symptome bei BSE und der Creutzfeldt-Jakobkrankheit
sehr ähnlich. Auch letztere ist in der Medizin seit sehr
langer Zeit bekannt - schon lange bevor es BSE
überhaupt gab.
Wie ist BSE überhaupt entstanden??
Ist es eine Mutante von Scrapie ??
oder eine Mutante von Creutzfeldt-Jakob??
Kommt diese Krankheit vielleicht von Creutzfeldt-Jakob über
den Umweg Rind wieder auf den Menschen in aggressiverer Form
zurück??Oder ist BSE im Rind autonom entstanden?? Alles
ist möglich. Man soll jendenfalls keinen Gedankengang ausschließen
.
Wir werden einige Geduld brauchen, bis wir von der Wissenschaft
ausreichend Antworten bekommen.
Was hat Österreich bisher getan?
Österreich hat seit geraumer Zeit Schutzmaßnahmen
gegen BSE ergriffen. Diese haben sich jeweils nach dem aktuellen
Stand der Wissenschaften gerichtet.
1. Importverbot für britisches
Rindfleisch
2. Fütterungsverbot für
Tierkörpermehl an Rinder und andere Wiederkäuer seit
10 Jahren.
3. Untersuchung der Gehirne aller
geschlachteten und aus Großbritannien stammenden Rinder
sowie deren Nachkommen und Kreuzungsprodukte seit 10 Jahren.
4. Generelles Verbot der Tierkörpermehlfütterung
seit Ende 2000.
5. Untersuchung aller geschlachteten
Rinder über 30 Monate in Österreich. Das ist der technologisch
früheste Erkennungszeitpunkt.
Bis zum heutigen Tag wurde kein BSE-Fall
in Österreich gefunden. Wir wollen hoffen, daß
es so bleibt.
Unter der Annahme, daß das Tierkörpermehlverbot an
Rindern eingehalten wurde und das früher verwendete Tierkörpermehl
prionenfrei war, sind unsere Hoffnungen berechtigt.
Ein Restrisiko stellen jene Rinder dar, die in den letzten Jahren
allerdings aus Frankreich oder Deutschland importiert wurden.
Ihnen gilt unsere besondere Aufmerksamkeit, denn der Tierarzt
steht an vorderster Stelle, wenn es um die Gesunderhaltung des
Menschen geht!
Dr. Balthasar Quehenberger
Fachtierarzt f. Kleintiere |
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